Totschlag, § 212 StGB

Was ist Totschlag?

Totschlag ist das allgemeinste Tötungsdelikt und umfasst die wissentliche und gewollte Tötung eines anderen Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Sie ist also "weniger" als der Mord und "mehr" als eine fahrlässige Tötung. 

Im deutschen Strafrecht ist Totschlag ein schwerwiegendes Verbrechen, das in § 212 des Strafgesetzbuches (StGB) geregelt ist. Totschlag ist definiert als das vorsätzliche Töten einer anderen Person, das nicht unter besondere Mordmerkmale fällt. Totschlag wird mit einer Freiheitsstrafe von nicht unter 5 Jahren bestraft.  In minder schweren Fällen (§ 213 StGB) kann eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren verhängt werden. Diese Entscheidung liegt im Ermessen des Gerichts, das die Umstände des jeweiligen Falls berücksichtigt. 

Bei der Beurteilung eines Falles wird insbesondere die Täterschaft und die Vorsätzlichkeit des Täters betrachtet, das heißt, ob er die Tötung wissentlich und willentlich vorgenommen hat. Beides muss zweifelsfrei bewiesen werden.


Im Unterschied dazu ist Mord durch besondere Mordmerkmale gekennzeichnet. Totschlag und Mord sind somit verwandte, aber klar abgegrenzte Straftaten. Eine weitere relevante Abgrenzung ist jene zum fahrlässigen Töten. Während Totschlag auf die vorsätzliche Beendigung eines Lebens abzielt, handelt es sich bei fahrlässiger Tötung um einen unbeabsichtigten Tod, der durch unachtsames oder leichtfertiges Verhalten verursacht wird. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu verstehen, um das Strafrecht und die damit verbundenen Konsequenzen besser nachvollziehen zu können.


Gesetzeswortlaut

(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.



Die verschiedenen Formen des Totschlags und ihre strafrechtlichen Konsequenzen 

Im deutschen Strafrecht gibt es verschiedene Formen des Totschlags, darunter den einfachen und den privilegierten Totschlag. Der einfache Totschlag (§ 212 StGB) ist gekennzeichnet durch die vorsätzliche Tötung eines anderen Menschen ohne Mordmerkmale. Die Strafe dafür liegt zwischen fünf und fünfzehn Jahren Haft. Der privilegierte Totschlag (§ 213 StGB) liegt vor, wenn die Tat unter einer schweren Belastung durch den Getöteten erfolgte. Die Strafe dafür kann von einem bis zehn Jahren Haft variieren. Es ist wichtig, zu beachten, dass die genaue Strafe abhängig von den Umständen des Einzelfalls ist. 


Der Ablauf eines Totschlagsverfahrens vor Gericht

Ein Totschlagsverfahren im deutschen Strafrecht beginnt mit dem Ermittlungsverfahren. Dieses endet mit einer Anklageerhebung oder Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft. Nach der Anklageerhebung folgt die Hauptverhandlung, in der Beweise präsentiert und Zeugen vernommen werden. Der Angeklagte hat das Recht, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Der Prozess ist geprägt von strengen Verfahrensregeln, um die Rechte aller Beteiligten zu wahren. Nach der Beweisaufnahme entscheidet das Gericht über die Schuld oder Unschuld des Angeklagten. Es ist wichtig zu beachten, dass jedes Verfahren individuell ist und von vielen Faktoren abhängt. Es muss genau erörtert werden, wie die Beweislage und die Rechtslage ausschaut, ob es Rechtfertigungsgründe oder Entschuldigungsgründe gab. 


Die Rolle der Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Totschlagsverfahren 

Im Totschlagsverfahren spielt die Staatsanwaltschaft eine entscheidende Rolle. Sie ermittelt den Sachverhalt und entscheidet, ob Anklage erhoben wird. Dabei muss sie alle belastenden und entlastenden Umstände berücksichtigen. Auf der anderen Seite steht die Verteidigung, die einzig die Interessen des Beschuldigten vertritt. Sie hat das Recht, Beweisanträge zu stellen und Zeugen zu befragen, um die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen oder zumindest Zweifel an der Schuld zu wecken. Insgesamt ist das Totschlagsverfahren ein komplexer Prozess, in dem beide Seiten versuchen, ihre Sicht der Dinge darzulegen und das Gericht von ihrer Position zu überzeugen. Die Staatsanwaltschaft vertritt zwar die Anklage, ist am Ende (jedenfalls in der Theorie) aber durchweg der Objektivität verpflichtet.


Rolle eines Hinterbliebenenanwalts

Wie auch ein Strafverteidiger hat der Anwalt, den sich Hinterbliebene (Familie, Angehörige des Todesopfers) nehmen können - ein sogenannter Nebenklagevertreter - dieselben Korrektivaufgaben. Auch auf unserer Seite soll ermittelt werden, wie der Hergang sich gestaltete, um die erforderliche Gerechtigkeit für das Opfer zu schaffen. Es soll natürlich verhindert werden, dass sich der Beschuldigte aus der eigenen Verantwortung herauswindet - soweit sie denn besteht. Hierzu wird ebenfalls auf die Beweissituation eingewirkt, zu Rechtsfragen Stellung bezogen und Ähnliches. Es geht darum, die potentiellen Interessen des Opfers über dessen Angehörigen zu vertreten und verwerfliches Verhalten des Beschuldigten entsprechend zu sühnen. Es geht darum, nicht nur Publikum des Verfahrens zu sein, sondern aktiv mitzuwirken. Am Ende ist der Hinterbliebenenanwalt der einzige tatsächliche Interessenvertreter des Todesopfers - denn Gericht und Staatsanwaltschaft sind zur Neutralität verpflichtet.


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Die Beweisführung im Totschlagsverfahren und die Bedeutung von Zeugen 

Die Beweisführung spielt eine entscheidende Rolle im Totschlagsverfahren. Sie hilft dabei, die Wahrheit zu ermitteln und eine gerechte Entscheidung zu treffen. Hierbei werden insbesondere Spuren in Augenschein genommen, Gutachten herangezogen oder Zeugen vernommen.

Zeugen sind dabei oft unverzichtbar, da ihre Aussagen helfen, die Ereignisse zu rekonstruieren. Sie können Details liefern, die sonst vielleicht übersehen worden wären. In der Praxis ist die Glaubwürdigkeit der Zeugen von großer Bedeutung. Ihre Aussagen werden sorgfältig geprüft und bewertet. Denn nicht selten hängt das Urteil maßgeblich von ihrer Aussage ab. Es ist daher im Interesse der Gerechtigkeit, dass Zeugen ihre Wahrnehmungen so genau wie möglich wiedergeben. Gleichzeitig müssen sie sich der Ernsthaftigkeit ihrer Rolle bewusst sein, da eine falsche Aussage gravierende Folgen haben kann. 

Zusammengefasst, sind Zeugen und ihre Aussagen im Totschlagsverfahren von großer Bedeutung. Sie tragen wesentlich zur Beweisführung bei und können das Urteil maßgeblich beeinflussen. 


Typische Verteidigungsstrategien in Totschlagsverfahren

Der Vorwurf des Totschlages ist eine der schwersten Anklagen im Strafrecht und erfordert eine besonders sorgfältige und umfassende Verteidigungsstrategie. Als Strafverteidiger ist es entscheidend, alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um die bestmögliche Verteidigung für den Mandanten sicherzustellen. Hier sind einige zentrale Verteidigungsstrategien beim Vorwurf des Mordes, wobei diese nicht abschließend sind:


Anfechtung der Beweise (Spuren, Zeugen, forensische Analysen)

  • Tatortspuren: Analyse der am Tatort gefundenen Spuren (DNA, Fingerabdrücke, Blutspuren), um ihre Relevanz und Korrektheit zu überprüfen. Eventuelle Kontaminierungen oder fehlerhafte Sicherungen der Beweise müssen in Betracht gezogen werden.
  • Tatwaffe: Untersuchung der Tatwaffe auf Fingerabdrücke, DNA-Spuren oder andere Hinweise, die auf einen anderen Täter hinweisen könnten.
  • Konsistenz und Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen: Überprüfung der Glaubwürdigkeit und Konsistenz der Aussagen von Zeugen. Widersprüche oder Ungenauigkeiten in den Aussagen können die Glaubwürdigkeit der Zeugen beeinträchtigen. Ist ein dargelegter Sachverhalten eigentlich so auch umsetzbar gewesen? Bestand ausreichend Wahrnehmungsfähigkeit?  
  • Motive und Voreingenommenheit bei Zeugenaussagen: Identifikation von möglichen Motiven oder Vorurteilen der Zeugen, die ihre Aussagen beeinflussen könnten.
  • Sachverständigengutachten: Einholung unabhängiger forensischer Gutachten, um die Beweise der Anklage zu überprüfen und gegebenenfalls zu widerlegen. Insbesondere werden oftmals Spuren- und mögliche Tathergänge analysiert.
  • Tatzeit und -ablauf: Rekonstruktion des Tatablaufs und der Tatzeit, um eventuelle Unstimmigkeiten oder alternative Szenarien aufzuzeigen.


Alibi und alternative Tätertheorien

  • Beweise für Abwesenheit (Alibi): Sammlung und Präsentation von Beweisen, die belegen, dass der Beschuldigte zur Tatzeit nicht am Tatort war (z.B. Zeugen, Videoaufnahmen, elektronische Nachweise wie Telefon- oder Kreditkartennutzungen).
  • Ermittlungen zu anderen Verdächtigen: Identifikation und Untersuchung anderer möglicher Täter, die ein Motiv oder eine Gelegenheit hatten, die Tat zu begehen.
  • Darstellung alternativer Theorien: Entwicklung und Präsentation plausibler alternativer Szenarien, die erklären, wie die Tat von jemand anderem begangen worden sein könnte.


Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründe

  • Notwehrsituation: Argumentation, dass der Beschuldigte in Notwehr gehandelt hat, um sich selbst oder andere vor einer unmittelbaren Gefahr zu schützen.
  • Notstand: Darstellung, dass der Beschuldigte in einem rechtfertigenden Notstand gehandelt hat, um eine größere Gefahr abzuwenden.


Verminderte Schuldfähigkeit

  • Psychische Erkrankungen: Untersuchung und Nachweis psychischer Erkrankungen oder Störungen, die die Schuldfähigkeit des Beschuldigten beeinträchtigt haben könnten. Ein psychiatrisches Gutachten kann belegen, dass der Beschuldigte aufgrund einer schweren psychischen Störung nicht voll schuldfähig war.


Verfahrensfehler und Rechtsverstöße: Unrechtmäßige Ermittlungen und Fehler bei der Beweissicherung 

  • Verletzung von Verfahrensrechten: Überprüfung, ob während der Ermittlungen die Rechte des Beschuldigten verletzt wurden (z.B. unrechtmäßige Durchsuchungen, Verletzung des Rechts auf einen Anwalt). Auch Fehler während des Gerichtsverfahrens selbst, haben enorme Auswirkungskraft. Um hier die Strafprozessordnung - die quasi hierbei den Ton angibt - perfekt abklopfen zu können, benötigt man eine erfahrene und versierte Verteidigerin. Nuancen und Details können entscheidend sein, einen Verfahrensfehler auszulösen; wird dieser jedoch nicht bemerkt, nützt der Fehler nichts.
  • Erzwingung von Geständnissen: Nachweis, dass ein Geständnis unter Zwang, Druck oder Täuschung erlangt wurde und daher nicht verwertbar ist.
  • Beweiskontamination: Darstellung, dass Beweise kontaminiert oder falsch gehandhabt wurden, was ihre Zuverlässigkeit und Verwertbarkeit in Frage stellt.
  • Manipulation von Beweisen: Untersuchung möglicher Manipulationen oder Veränderungen von Beweisen durch Dritte oder Strafverfolgungsbehörden.
  • Beweisverwertungsverbote: Beweise unterliegen Verwertungsverboten und dürfen deswegen rechtlich in die Bewertung der Tat nicht herangezogen werden.


Mildernde Umstände und persönliche Hintergründe

  • Hintergrund des Beschuldigten: Präsentation der persönlichen Geschichte und Lebensumstände des Beschuldigten, die mildernde Umstände darstellen können (z.B. traumatische Erlebnisse, soziale oder wirtschaftliche Notlagen).
  • Täter-Opfer-Beziehung: Untersuchung der Beziehung zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer, um mögliche mildernde Umstände aufzuzeigen (z.B. langjährige Misshandlungen durch das Opfer).
  • Geständnis und Reue: Wenn der Beschuldigte geständig ist, kann ein frühzeitiges Geständnis und Ausdruck von Reue strafmildernd wirken.
  • Bemühungen um Wiedergutmachung: Nachweis, dass der Beschuldigte aktiv versucht hat, den Schaden wiedergutzumachen oder sich um Versöhnung mit den Angehörigen des Opfers bemüht hat.


Fazit

Die Verteidigung beim Vorwurf des Totschlages erfordert eine umfassende und strategische Herangehensweise, die alle Aspekte des Falls berücksichtigt. Durch die sorgfältige Überprüfung der Beweise, die Entwicklung alternativer Theorien, die Nutzung rechtlicher Verteidigungsmöglichkeiten und die Präsentation mildernder Umstände kann der Strafverteidiger dazu beitragen, die bestmögliche Verteidigung für den Mandanten sicherzustellen. Das Ziel ist es, eine faire und gerechte Behandlung des Beschuldigten im Strafverfahren zu gewährleisten und gegebenenfalls eine angemessene Strafe zu erreichen.


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