Sollte ich eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung stellen?

Sind Sie Beschuldigter in einem Sexualstrafverfahren, stellen Sie sich zwangsläufig irgendwann die Frage, ob es sinnvoll ist, eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung oder/und Verleumdung durch die Strafanzeige zu stellen.

In Sexualstrafverfahren sollte man eine solche Gegenanzeige stellen, wenn man durch eine belastende Aussage oder Anzeige eines Sexualdeliktes bezichtigt wurde, diese nicht begangen hat und man gewichtige Anhaltspunkte dafür findet, dass die anzeigende Person absichtlich lügt (wider besseren Wissens unwahre Angaben macht).

Denn dann kommen tatbestandlich Strafbarkeiten der Verleumdung, § 187 StGB oder der falschen Verdächtigung, § 164 StGB in Betracht. In diesen Fällen werden Beschuldigte selbst zu Opfern.


Da gerade bei Sexualdelikten der gute Ruf und die eigene Ehre schon dann besonders belastet ist, wenn noch gar kein Urteil gefällt wurde, ist es wichtig, früh gegen derartige Anschuldigungen vorzugehen und die Rollen Täter-Opfer nicht ohne Weiteres so stehen zu lassen. Stigmatisierung von Anzeigen wegen Sexualdelikten können nachhaltige Schäden verursachen.


Eine entsprechende Anzeige kann also letztlich Ihre Position stärken, wenn Sie sich nicht als Täter geständig einlassen wollen. Am Ende hängt es davon ab, wie die Verteidigungsstrategie ausgestaltet sein soll: Will man streitig verhandeln oder geständig?

Stellen Sie keine Gegenanzeige, wenn Sie ohnehin ein Geständnis ablegen werden.

Sollten Sie selbst eine unwahre Gegenanzeige stellen, so würden auch Sie sich selbst der falschen Verdächtigung oder Verleumdung strafbar machen. Und so dreht sich alles im Kreis, wenn herauskommt, dass diese Gegenanzeige einer Lüge entspringt.

Als Geschädigter im Verleumdungsverfahren könnten Ihnen Schmerzensgeldansprüche oder Schadensersatzansprüche zustehen.
Bei Strafanzeigen, die auf Lügen basieren, kann gerichtlicher Entscheidung der falsch anzeigenden Person die Anwaltskosten der Gegenseite auferlegt werden, § 469 StPO.

Entsprechende "Gegenprozesse" werden übrigens nicht selten eingestellt, da es gar nicht so einfach ist, darzulegen, dass der Belastungszeuge aktiv gelogen hat. Interessant: Sexualstrafverfahren enden bei Freispruch nämlich nur in den seltensten Fällen mit der Feststellung, dass die vorgeworfene Tat erlogen wurde.


Ob ein derartiges Vorgehen sinnvoll ist, erklärt Ihnen Ihr Sexualstrafverteidiger. Rechtsanwältin Hannah Funke kennt dabei auch die Risiken der Opfervertretung und kann auf allen Ebenen erfahren beraten.